Werkbahnen im Raum Aachen

Aachen
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52070 Aachen:   Talbot Services GmbH, Jülicher Str. 213 - 237

Bereits 1838 wurde durch den belgischen Postkutschenmacher Pierre Pauwels und dem Aachener Marmorschleifer Hugo Jacob Talbot eine "Eisenbahn-Wagen-Fabrik" am heutigen Adalbertsteinweg errichtet. um 200 Personen- und Güterwagen zu bauen.  Das Unternehmen wechselte seinen Standort und zog 1845 in die Nähe des Nordbahnhofes. Nach dem Tod von Hugo Jacob Talbot im Jahr 1850 wurde die Fabrik zunächst geschlossen. 1855 wurde die Fabrik an der Jülicher Straße durch die Söhne Carl Gustav Talbot, Julius Josef Talbot, Eduard Talbot und dem Eisenbahningenieur Peter Herbrand unter dem Namen "G. Talbot und Herbrand" neu errichtet. 1866 schied Peter Herbrand  aus der Fabrik aus und gründete in Köln die Waggonfabrik "P. Herbrand & Cie". Mit dem Ausscheiden von Peter Herbrand erhielt die Fabrik den Namen Waggonfabrik Talbot, den sie bis 1995 behielt. Georg Talbot, der Sohn von Carl Gustav Talbot plante 1893/1894 eine neue Fabrik, die er am heutigen Standort "Jülicher Straße 213" errichten ließ Hier wurde der von ihm 1891 entwickelte und mit Reichspatent geschützte so genannte Selbstentlader produziert, der zu einem Erfolgsmodell für die Fabrik wurde. Ein Selbstendlader aus dem Jahr 1896 ist vor dem Werkstor als Denkmal aufgestellt.  Um 1900 beschäftigte das Werk ca. 400 Mitarbeiter. 1913 kaufte Talbot die Waggonfabrik J.P. Goossens in Eschweiler Aue. Durch die Übernahme wurden weitere bereits vorher bestehende Geschäfte mit der Staatsbahn übernommen. Das Zweigwerk in Eschweiler wurde aus Gründen der Rationalisierung 1923 geschlossen. Stetige neue Aufträge waren die Grundlage das Werk durch neue Produktionshallen zu erweitern. Daneben endstanden in den Jahren 1921 - 1923 das heute noch existierende Verwaltungsgebäude, das Pförtnerhaus, der Arbeiterspeisesaal und auf der gegenüberliegende Straßenseite eine Werkssiedlung. Neben der Produktion von Eisenbahnwaggons wurden in Aachen auch Dieseltriebwagen und bis 1957 Straßenbahnfahrzeuge hergestellt. 1929 beschäftigte Talbot 1700 Mitarbeiter. Im 2. Weltkrieg wurde die Fabrik zum Ziel der alliierten Bomber. 60% der Gebäude und 30% der Maschinen wurden durch Brandbomben vernichtet. Bereits 1945 erlaubten die Alliierten den Wiederaufbau der Fabrik, die in den kommenden Jahren wieder Anschluss an den Weltmarkt finden konnte. Das in 5. Generation agierende Familienunternehmen wurde 1995 an die Kanadische Firma Bombardier verkauft.
Aachen wurde zum Fabrikationsstandort des Verkaufsschlagers "Talent" (Talbot leichter Nahverkehrs-Triebwagen), von dem über 500 Einheiten in verschiedenen Ausführungen in verkauft wurden. So werden diese Fahrzeuge werden auch heute noch bei der Euregiobahn eingesetzt. 2012 kündigte Bombardier an, das Werk Mitte 2013 schließen zu wollen. Es wurde übernommen durch die Talbot Services GmbH, die als Dienstleistung sowohl den Neubau von Eisenbahnfahrzeugen, als auch die Wartung und Modernisierung von Eisenbahn- und Straßenbahnfahrzeugen in ihrem Portfolio anbietet. Im Bereich des ehemaligen Bahnhofs Aachen Nord verfügt die Firma Talbot über einen Anschluss an das Schienennetz in Richtung Aachen Rothe Erde.

Im Werkbahnverkehr werden 2 Lokomotiven eingesetzt. Die ursprünglich als V35 an die Jülicher Kreisbahn gelieferte MaK 220090/1967 wird seit 2013 bei Talbot eingesetzt. Gelegentlich verlässt sie das Werksgelände und  kann auf der Strecke nach Aachen Rothe Erde gesichtet werden. Zwischenzeitlich ist die Lok in den Farben der Firma Talbot lackiert worden. Von der Osthannoverschen Eisenbahnen AG (OHE) in Celle erhielt Talbot im Dezember 2016 die 1960 bei Deutz gebaute "120071", die für Überführungsfahrten von und nach Aachen Rothe Erde eingesetzt wird.

Folgende Lokomotiven können dem Werk zugeordnet werden:

Bez. Herst.- Nr. Bauj Typ Art Bemerkungen
  KHD 55791 1954 A4L514R Bd 09.04.1954 neu geliefert an Talbot
10.01.1975 => WLH - Westfälische Lokomotiv-Fabrik Hattingen Karl Reuschling GmbH & Co. KG, Hattingen "03" [1. Besetzung] [Händler]Verbleib ??? 

T9

KHD 56958 1960 8L614R Bdh 12.04.1960 neu geliefert an Talbot
=> 1990 bei MaK, Moers
=> 1991 über OnRail an NIAG
=> 1999 F&S, Duisburg-Ruhrort
T114 O&K 26266 1964 MB7N Bdh 17.01.1964 geliefert an PREAG, Hannover für Kraftwerk Heyden
=> 1992 über OnRail an Talbot
=> 1998 an Vennbahn e.V. Stolberg
=> 14.12.2000 an NEWAG GmbH & Co. KG, Oberhausen
=> 05.04.2001 an Chung Woo Construction Co. Ltd, Inchon [ROK],für Baustelle Kuala Lumpur [MAL]
[Neubau-Hochgeschwindigkeitsstrecke zum Flughafen]
T246 O&K 26376 1964 Köf III Bdh geliefert an DB => 332139
=> 10.03.1997 an Talbot
=> 27.01.2000 an Zuid Limburgse Stoomtrein Maatschappij, Simpelveld
  MaK 220080 1965 G 320 Bdh geliefert 14.12.65 an Krupp Stahl AG als Rheinhausen "502"
=> 1969 an RAG als "V125"
=> 1987 an MaK, Moers
=> 25.02.88 LHG-Lübecker Hafengesellschaft mbH (1994 a)
=> 1995 OnRail, Moers
=> 02.1996 Waggon- und Lokservice GmbH, Düsseldorf-Reisholz "1"
=> 02.1999 Stora Feldmühle Reisholz GmbH
=> 1999 On Rail GmbH "OR 22"
=> 12.1999 Bombardier Tranportation Talbot, Aachen
=> 11.2003 railogic GmbH, Düren als V32-01, Einsatz bei Talbot in Aachen
19.06.2012 in Düren vh
  Krupp 4347 1961 V 100 B´B´ dh 05.12.1961 geliefert an DB als V100 237
01.01.1968=> Umzeichnung in 211 237
17.12.1987 => Ausmusterung
198x - 1990 abgestellt im Bw Aschaffenburg
10.1990 => nach Aufarbeitung in Heilbronn an Solvay Österreich GmbH, Werk Ebensee [A] , Name: DIDI 1
2008 => an Panrail Railway Equipment GmbH, Wien [A] [Händler]
13.07.2008 => an VTLT - Voith Turbo Lokomotivtechnik GmbH & Co. KG, Kiel [Händler]
2010 => an northrail GmbH, Kiel als "92 80 1211 237-3 D-NTS"
11.04.2017 - 04.07.2017 => Vermietung an Talbot Services GmbH, Aachen
05.07.2017 => Rückgabe an den Vermieter Northrail
  Mak 220090 1967 G 320 B Bdh 13.10.1968 geliefert an Jülicher Kreisbahn als "V 35"
01.01.1984 => Dürener Kreisbahn GmbH
19xx => Umzeichnung in "6.301.1"
01.01.2003 => Rurtalbahn GmbH, Düren
2004 => Vermietung an Waggonfabrik Talbot, Aachen
2006 => Remotorisierung im Rahmen Aufarbeitung
01.01.2007 => NVR-Nummer 98 80 0265 010-5 D-RTB
2010 -2013 => Vermietung an Waggonfabrik Talbot, Aachen
[10.05.2010 vh]
2013 => Talbot Services GmbH, Aachen als "V 35"
[NVR-Nummer: 98 80 0265 010-5 D-TAL]
  KHD 57100 1960 DG 1200 BBM B'B' dh 05.05.1960 geliefert Osthannoversche Eisenbahnen AG (OHE), Celle als "120071"
199x => Remotorisierung mit MTU 12V396TC1durch OHE
01.01.2007 => NVR-Nummer: 98 80 3423 001-7 D-OHE
28.08.2012 => OHE Cargo GmbH, Celle
[NVR-Nummer: 98 80 3423 001-7 D-OHEGO]
20.12.2016 an Talbot Services GmbH, Aachen als "120071"
[NVR-Nummer: 98 80 3423 001-7 D-TAL]

 

Talbot: Lok T9, Deutz FNr. 56958/1960, Typ A8L614 R. (Foto: 22.09.1986, Peter Ziegenfuß)

 

  Die zeitweilig bei Talbot eingesetzte Mak 220080 konnte ich am 12.12.2009 in Düren-Distelrath mit weiteren abgestellten Lokomotiven aufnehmen.

 

Die ursprünglich als V35 an die Jülicher Kreisbahn gelieferte MaK 220090/1967 ist seit 2013 als "Hofhund" bei Talbot eingesetzt. Gelegentlich verlässt sie das Werksgelände und  kann auf der Strecke nach Aachen Rothe Erde gesichtet werden. Zwischenzeitlich ist die Lok in den Farben der Firma Talbot lackiert worden. Als ich die Lok am 31.07.2007 in Düren Distelrath aufnahm, trug sie noch die Farbgebung der Rurtalbahn.

 

Von der Osthannoverschen Eisenbahnen AG (OHE) in Celle erhielt Talbot im Dezember 2016 die 1960 bei Deutz gebaute "120071". Sie wird für Überführungsfahrten zwischen dem Werk und dem Bahnhof Aachen Rothe Erde eingesetzt. Am 31.10.2019 konnte ich die Lok bei der Rückfahrt von Aachen Rothe Erde kurz vor dem Werksgelände aufnehmen.