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Erinnerung an eine kleine Henschel

ein Rückblick auf die Geschichte der Lok ESW 1 der Eschweiler Röhrenwerke

1958 baute Henschel einen kleinen dieselhydraulischen B-Kuppler. Mit der Fabriknummer 29708 entstand eine weitere Lok der Typenreihe DH 240.
Sie wurde am 14.11.1958 an die Preußen Elektra AG zum Kraftwerk Kassel geliefert. Hier leistete sie bis 1993 immerhin 43 Jahre ihren Dienst.
1991 wurde sie an die On Rail Gesellschaft für Eisenbahnausrüstung und Zubehör mbH nach Mettmann abgegeben, die einen neuen Käufer für die Lok suchten.
1992 wurden die Lok an die ESW Röhrenwerke GmbH verkauft und als ESW 1 bezeichnet. Fortan bestand ihre Aufgabe darin mit Stahlknüppeln beladene Wagen vom Bahnhof Eschweiler Aue über eine steile Strecke mit 2 Spitzkehren in das Werkgelände zu befördern und anschlließend die leeren Wagen wieder zur Abholung bereit zu  stellen.
Leider erst viel zu spät bin ich auf die Werkbahnlokomotiven im Aachener Raum aufmerksam geworden. 2002 besuchte ich den Bahnhof Eschweiler Aue und traf erstmals auf die im unternen Teil des Werkes eingesetzte Lok ESW 2. Aber auf der anderne Seite des Bahnhofs fuhr auch immer wieder mal eine blaue Lok mit ein paar Wagen. Damals wusste ich nich nicht, dass dies meine erste Begegnung mit der kleinen Henschel war.
Anfang März 2003 nutze ich das schöne Wochenendwetter und erkundete das Gelände des oberen Werkteil, damals noch nicht wissend, dass kein Betrieb am Wochenende stattfindet. Es sollte noch weitere fünf Monate bis zum 4. August 2003 dauern, bis ich einen freien Tag nutzen konnte und die ESW 1 erstmals aus der Nähe im Betrieb erleben durfte. Ich kam gerade im oberen Werkteil des Röhrenwerkes an, als mir die Lok bergabwärts fahrend entgegenkam.

 

Auf den Übergabegleisen standen noch einige mit Knüppeleisen beladene Wagen, die in den oberen Werkteil gebracht werden mussten. Hier quert die Lok die Werkstraße, um in den Übergabebahnhof zu gelangen und weitere Wagen abzuholen.

 

Es dauerte auch nicht lange und die Lok kam mit einem Wagen zurück. Das freundliche Personal war zwischenzeitlich auf mich aufmerksam geworden. Es kam nicht so oft vor, dass sich einer für diesen Werkbahnbetrieb interssierte.

 

Der Vorteil für den fotografierenden Eisenbahnfreund an den Fahrten über die Spitzkehren liegt darin, dass man über die Werkstraße schneller an Höhe gewinnt und damit die Lok und Wagen mehrmals abpassen kann. Hier ist die Fuhre bereits im oberen Werkteil angekommen und muss noch einmal umsetzen, um zum Entladeplatz zu kommen.

 

Auf der Fahrt zum Übergabebahnhof konnte mehrere Wagen mitgenommen werden. Hier schickt sich ESW 1 an, drei entladene Wagen bergabwärts zu transportieren.

 

Auf dem Rückweg wurde wieder ein beladener Wagen mitgebracht.

 

Nach dieser Fahrt kam dann die Frage vom freundlichen Lokpersonal:  "Jung, willste mal mitfahren." Das musste man mir nicht zweimal sagen. Schnell wurde der Führerstand erklommen und ich durfte die Fahrt bergab und bergauf begleiten. Eine Fahrt auf diesen Werkbahngleisen unter Last ist ein von den Geräuschen und dem Geschaukel her eindrucksvolles Erlebnis, was ich nicht missen möchte.

 

 

2006 sollte das Ende des Einsatzes auf den Gleisen der ESW Röhrenwerke gekommen sein. Als Ersatz sollte ein Zwei-Wege-Fahrzeug der Firma UCA angeschafft werden. Bei ersten Testfahrten hatte jedoch das zunächst ausgewählte Modell Probleme bei feuchter Witterung die Steigung vom Übergabebahnhof zum Werk zu bewältigen. Dies bescherte der kleinen Henschel noch einmal eine Verlängerung der Einsatzzeit. Und so konnte ich die Lok am 25.07.2007 noch einmal im Einsatz erleben.

                     

Die Situation des Betriebes war nach wie vor die Gleiche. Beladene Wagen vom Bahnhof Eschweiler Aue in das Werksgelände befördern, leere Wagen wieder zurück bringen. Zwischenzeitlich hatte es aber schon einen Liebhaber für den "Henschel-Stern" gegeben, der hier offensichtlich fehlt.

 

Aber diese Einsätze sollten nicht lange währen. Das Zwei-Wege-Fahrzeug wurde angeschafft und auch die Idee, die Lok als Reserve zu behalten, wurde durch einen schweren Motorschaden zunichte gemacht. Und so wurde sie auf einem kleinen Nebengleis abgestellt und wartete, so wie hier am 17.04.2008, auf ihr weiteres Schicksal.

 

Im kommenden Sommer drohte die Natur die Lok zu verschlingen. Als ich die Lok am 21.06.2008 fotografierte hatte sie sich keinen Millimeter  von der Stelle bewegt. Es war offensichtlich, sie wurde hier nicht mehr gebraucht.

 

Im Winter zieht sich die Natur wieder zurück und gabe die ESW 1 wieder frei. Aber auch dieses Winterbild vom 07.01.2009 zeigt, es hat keine Veränderung zu den Vormonaten gegeben.

Am 03.06.2010 stand die Lok zwar immer noch an der gleichen Stelle, aber mittlerweile hatten irgendwelche Chaoten Gefallen daran gefunden, die Scheiben der Lok zu zerstören. Das Allgemeinbild wurde nicht besser.

Dank einer Initiative der Eisenbahnfreunde Grenzland (EFG) konnte die Lok vor einer drohenden Verschrottung bewahrt werden. Am 15.03.2011 übernahmen die EFG die Lok und ließen sie Anfang August 2011 nach Walheim transportieren. Dort wurde sie u.a. am 09.06.2013 auf dem Bahnhostfest in Walheim ausgestellt.

 

 

Die Hoffnungen, die Lok wieder aufarbeiten zu können, zerschlugen sich. Die Lok wurde 2015 verkauft und dient als Ersatzteilspender für die Henschel 30313/1961 der DBK Historische Bahn e.V. in Crailsheim, um soll dann letztendlich verschrottet werden.

Am 02.09.2015 konnte ich die Lok noch in Walheim antreffen.